Besuch im Düsseldorfer Landtag

Politik? Die wird doch von Leuten im Fernsehen gemacht. Abgeordnete? Die treten immer vor die Kameras und geben Interviews zu irgendwelchen komplizierten Themen. So oder so ähnlich könnten manche Menschen über Politik und Politiker denken…

Die Schülerinnen und Schüler der neunten Jahrgangsstufe der Gesamtschule Wenden, die sich im Fach Gesellschaftslehre gegenwärtig u. a. mit dem Thema „Politik geht auch mich etwas an“ beschäftigen, haben in dieser Woche einen gänzlich anderen Zugang zum politischen Geschehen erhalten als über das Fernsehen oder andere Medien. Denn der gesamte Jahrgang 9 machte sich an insgesamt zwei Tagen auf den Weg, um den Landtag des Landes Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf zu besuchen.

Blick auf den Plenarsaal des Düsseldorfer Landtags

Angekommen im beeindruckenden Landtagsgebäude am Rhein, wurden die Jugendlichen, nachdem sie die Sicherheitsschleuse passiert hatten, willkommen geheißen und erhielten in einer Informationsveranstaltung zunächst Einblicke in die Geschichte des Düsseldorfer Landtages sowie in die von Kreisformen dominierte Architektur des imposanten Gebäudes. Welche Partei sitzt wo, und wie viele Parteien sind im Landtag überhaupt vertreten? Antworten auf diese Fragen standen selbstverständlich im Mittelpunkt der interessanten und kurzweiligen Veranstaltung.

Bei einem Gang auf die Besuchergalerie, von wo man einen tollen Blick auf das Geschehen im Plenarsaal hat, wurde den Lernenden auch schnell klar, warum etwa der Landtagspräsident in erhöhter Position sitzt, wo sich Journalisten während der Landtagsdebatten aufhalten oder wo die Stenographen Platz nehmen. Das Interesse der Schüler*innen war selbst in Bezug auf Details sehr groß. So brachten sie auch in Erfahrung, dass Tische und Mikrofone an den Plätzen der Abgeordneten nach Veränderungen in der Zusammensetzung des Landtages – vor allem nach Neuwahlen – stets neu aufgebaut werden müssen. Zum Abschluss staunten die Anwesenden über die geringen Voraussetzungen, die man mitbringen muss, um Landtagsabgeordneter zu werden: Jeder Deutsche, der mindestens drei Monate in NRW wohnt und zudem volljährig ist, kann für den Landtag kandidieren; nicht einmal einer Partei muss man angehören.

Abgeordnete – hier Markus Weske (SPD) – standen den Schülern Rede und Antwort

Da ein bloßer Besuch eines Parlamentsgebäudes nicht ausreicht, um das Interesse junger Menschen an Politik zu wecken, wurde der Aufenthalt in Düsseldorf durch die Begegnung mit einem Landtagsabgeordneten abgerundet: Markus Herbert Weske (SPD) stand den Besuchern montags und Gordan Dudas (Landtagsabgeordneter des Märkischen Kreises, SPD) dienstags jeweils eine ganze Stunde zur Verfügung, um Fragen zu beantworten und ihre Sicht zu politischen Aspekten und Sachverhalten zu erläutern. So bekamen die Schüler*innen beispielsweise eine Vorstellung davon, wie der berufliche Alltag eines Abgeordneten aussieht, welche Pflichten und Veranstaltungen er wahrnehmen muss und welche Arbeit speziell im Landtagsgebäude anfällt. Darüber hinaus kamen seitens der Besucher aktuelle politische Problemfragen auf, etwa wie sich der Umgang mit der AfD gestalte oder ob ein Burkaverbot in Schulen angemessen sei. Auch umweltpolitische Fragen wurden aufgegriffen, z.B. ob auch Düsseldorf von der Feinstaubbelastung betroffen ist. Nicht zuletzt fand die Frage, ob es sich für junge Menschen lohne, politisch aktiv zu werden, großes Interesse Allen Fragen stellten sich beide Landtagsabgeordnete offen und ehrlich und ließen am Rande sogar durchblicken, wie hoch das monatliche Einkommen eines Abgeordneten ist. Die Schüler honorierten die Offenheit mit großem Applaus.